Gedichte
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  • Die Himmel rühmen

    Was für ein Wort: die Himmel rühmen!
    Die große Domorgel mit ihren 35 Fuß großen Pfeifen
    entfesselt den Urgrund von Allem, was wir nicht wissen
    Sein und Schein sind aufgehoben.
    Der Klang zieht in Fernen, dahin über die See, die Berge.

    Die Städte sehen nicht. Sie sind mit sich selbst beschäftigt.
    Tand, Tand, nutzloses Zeug in Menschenhand

    Das Meer will die Toten nicht behalten.
    Seht was Ihr angerichtet habt.
    Sie kommen und erheben ihre tote Stimme.



    Rosen

    Die Einen singen ihr Lied der Rose
    der einzigen Rose, wie es Borges einst tat.
    Unvergleichlicher Hymnus an die Rose
    die Goethe beschrieb.

    Ich aber singe mein Lied der Hundsrose
    der gemeinen, dornigen Schönheit
    verstreuter Hecken am Strand
    am windzerzausten Meer.

    Mit einem Grün das so tief und leicht ist
    über dem Sand und den wechselnden Himmeln
    mit dem einzigen Rot das dafür geschaffen wurde
    für offene Blüten, mit Düften, die man nie mehr vergißt.

    Heckenrose, Hundsrose,
    du einzige Rose aller Rosen.


     
  • Bayreuth

    Das Festspielhaus bei 34 Grad
    Lohengrin zur Eröffnung

    ich liege im Schatten
    leichter Wind umfächert mich
    die Übertragung im Radio
    Sphären entstehen im Kopf

    Im ersten Akt schlafe ich
    irgendwann kurz ein.

    Über mir der Sommerflieder
    in üppiger Pracht, er wartet
    auf Schmetterlinge.

    Ein Taubenschwänzchen,
    Bienen und Hummeln,
    Ich nehme Tee und Wasser

    Dramatisch im II. Aufzug
    Herrliche Stimmen. Thielemann
    dirigiert, Waltraud Maier als Ortrud
    Zeppenfeld als König Heinrich.

    Die Prominenz geht in die Pause.
    Jetzt kommt  das Pausengespräch.

  • Pub

    Kleiner Raum, weiß gestriches Holz
    Zur Mittagszeit vier Mann am Tresen
    Whiskeygläser und ein Guinness
    Jung und Alt, derbe, freundliche Gesichter
    Erwiedern meinen Gruß.

    Where are you from? Germany!
    We love the Germans, Köpfe nicken,
    Die Zungen sind schon schwer
    Der Barmann ruft  „Octoberfest“, doch
    Keiner kennt`s persönlich, nur vom Reden
    Von Geschichten...Das wär mal was!

  • Schafe.

    Sonne, Berge blau im Dunst,
    ein Stück vom Ozean da vorne
    Brandungsrauschen, Möven schrein.

    Schafe grasen, schwarze Köpfe,
    Schwarze Ohren, schwarze Beine.
    In Linie aufgestellt der Schönsten vier

    Sehn mich kommen. Zaghaft erstes
    Mäh, dem noch weitere Mähs ganz
    Sittsam folgen, so erbarmungswürdig

    Klingt´s, daß nun die andern zwanzig,
    Dreißig auf den krummen schwarzen
    Beinen mich ins Auge fassen

    Erwartungsvoll mit Bähs und Mähs zu mir
    Herüberblicken in der Morgenstunde.
    Ach was sag ich diesen Schafen nur,
    Die lang mit niemand haben reden können?

    Die schwarzen Augen blinken aus dem
    Dunkel ihrer Häupter und Gedanken.
    So lob ich denn die Schönheit ihrer Glieder
    Den Gesang voll wundersamer Mähs.

    Ein Foto noch und weiter geht´s
    Nicht ohne einen guten Tag zu wünschen.



    Dunkelgrün

    Dunkelgrün, der Wald steht still
    Wolkenzug darüber
    Getreide schwingt im Sommerwind.

    Dazwischen Dächer, Mauerwerk
    Etwas von Zinnober, Englischrot
    Im Schatten starker Eichen

    Auf der Höhe greifen
    Silberhelle Arme nach dem Wind
    Mühlen mahlen Strom und Zeit .


    copyright
    Wolf Schindler 2019

 

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